Liebe Friedensaktive und Friedensbesorgte!
Sind wir Menschen noch zu retten? – Ich frage ernsthaft, uns alle! Was heute
genau vor genau 80 Jahren mit Hidehiko, Katsutoshi und Masaok sowie Hun-
derttausenden anderen Menschenkindern in Hiroshima geschah, haben wir
soeben gehört. Das Grauen entzieht sich dennoch meinem Fassungsvermö-
gen, ihr Leid übersteigt mein Mitleid. Hilflos blicken wir auf das, was Men-
schen Menschen antun können und angetan haben. Es war kein Schurken-
staat, sondern die „größte Demokratie der Welt“, die ihre Atombombe
zumeist auf unschuldige Zivilisten warf! Seien „wir Demokraten“ darum
besonders gewiss: die Opfer unterscheiden nicht zwischen einer guten und
einer bösen Atombombe. Für sie waren und sind sie allesamt aus der Hölle!
Und die sie zündeten, ebenso!
Die beiden Bomben wurden auch nicht aus militärischer Notwendigkeit ge-
zündet, wie bis heute noch behauptet wird. Sie waren ein militärisches und
medizinisches Groß-Experiment, Menschen als Versuchskaninchen – und
sollten besonders Russland, damals Partner der USA im Pazifikkrieg gegen
Japan, die amerikanische Dominanz als führende Weltmacht auch für die
Nachkriegszeit unmissverständlich vor Augen führen. US-Präsident Truman
schreibt schon Mitte Juli 1945 in sein Tagebuch: „Ich glaube, dass die Japsen
(mit dem Bombeneinsatz, d. Verf.) klein beigeben werden, ehe Russland ein-
greift!“(vgl.https://de.wikipedia.org/wiki/Atombombenabw%C3%BCrfe_auf
_Hiroshima_und_Nagasaki). Ganze Völker können wir Menschen mit einem
Wort entmenschlichen („Japsen“)! Und mit Massenmord können wir den
ersten Platz in der Welt unter Beweis stellen wollen! Und heute? Heute
verfügen die Atommächte weltweit über unvorstellbare 12000 Atombomben!
Jede einzelne davon mit der hundertfachen Zerstörungskraft von damals.
Darüber hinaus haben wir weltweit über 1200 stationierte Atomraketen mit
lenkbaren Mehrfachsprengköpfen, die auch in dieser Stunde jetzt in
Alarmbereitschaft stehen, jederzeit startklar zum Abschuss auf uns Menschen
in aller Welt. Alle Atommächte stellen die Menschheit und alles andere Leben
auf diesem Planeten in jedem Augenblick unter ihre tödliche Geiselhaft.
Solange wir Menschen dazu weiter untätig schweigen, und der eigene Garten,
das eigene Haus und Auto und eine zweifelhafte Ruhe im Land wichtiger sind
als der Fortbestand der Erde und Menschheit, werden wir gewiss nicht mehr
zu retten sein…
Ein Atomkrieg ist keine Frage mehr des Ob, sondern nur noch des Wann. Die
Welt stand seit 1945 schon mehrfach sekundennah am atomaren Abgrund.
Die Hoffnung mancher, es werde „schon irgendwie gut gehen“, ist naiv und
gefährlich. Sie verdrängt nur, was totsicher eines Tages geschehen wird.
Werden wir endlich erwachsen! „Was der Mensch sät, wird er auch ernten.“ (
Paulus, Galatherbrief 6,7) Was wir in die Hand nehmen, werden wir eines
letzten Tages auch gebrauchen. Wenn nicht aus Machtgier, dann aus
gekränkter Eitelkeit, aus rachsüchtiger Vergeltung oder schlicht als dummer
Unfall – aus Versehen…
Dieses Damoklesschwert über uns erzeugt zusammen mit den anderen
selbstgemachten Krisen unserer Zeit und Kultur eine wachsende Endzeitstimmung
unter vielen Menschen! Und trostlose Flucht in die private
Verbunkerung… Wo Regierungen lieber den kollektiven Tod organisieren statt
gleiches Recht und Leben für alle zu gestalten, zerbricht das Grundvertrauen
ins Leben als Zusammenhalt einer jeden Gesellschaft, als Zusammenhalt der
Menschheit. Diese Auflösungsprozesse sind heute besonders in allen
westlichen Gesellschaften mit Händen zu greifen. Atomwaffen töten also
schon lange bevor sie eingesetzt werden!
Und der nun schon über dreijährige Stellvertreterkrieg von Russland und den
USA auf Kosten des ukrainischen Volkes, bedroht unsere Sicherheit und
verschärft unsere Lage noch einmal! Der ehemalige EU-Kommissar Günther
Verheugen warnt in seinem neuen Buch „Der lange Weg zum Krieg“ schon
seit 2024, dass die erklärte Absicht der USA, Russland durch einen möglichst
langen Krieg in der Ukraine auszuzehren „bis es komplett am Boden liegt“, der
von uns selbst, also vom Westen erzeugte einzige Anlass in Russlands eigener
Nuklearstrategie sei, der dem russischen Präsidenten erlaube, zur
Atombombe zu greifen. (ebd. S. 38). Je länger also der Krieg die Diplomatie
bei uns ersetzt, desto dramatischer steigt in diesen Tagen und Wochen die
Gefahr eines atomaren Schlagabtausches bis zur Einäscherung alles Lebendi-
gen auf diesem einzigartigen wunderbaren blauen Planeten! Aus dem allen
heraus frage ich mit enst: Sind wir noch zu retten?
Die bisherige Geschichte seit Hiroshima zeigt mir: Wir haben nicht wirklich
aus der Geschichte gelernt. Warum aber haben wir nichts gelernt? – Im Bio-
logiebuch der Schule habe ich damals gelernt, dass alle Tiere eine angeborene
Tötungshemmung haben. Sie können in Ausnahmefällen wohl ihresgleichen
töten, wie z.B Schimpansen es tun, mii denen wir genetisch fast identisch sind.
Aber sie können nicht industriell vorbereiten, ihre eigne Art radikal zu
vernichten. Das können nur wir Menschen. Wir sind der Natur enthoben und
damit „fürchterlich frei“! – Was kann uns dann noch retten?
Ich bin nun 63 Jahre alt und lebe solange als fürchterlich freier Mensch unter
anderen fürchterlich freien Menschen auf dieser Erde. Und ich habe persön-
lich nur eine Antwort auf diese Frage gefunden: Wir werden vielleicht dann
noch vor uns selbst und einem Ascheplaneten bewahrt, wenn die am Küchen-
tisch im Atomblitz einfach verdampfte japanische Großmutter meine eigene
Großmutter wird; wenn der verkohlte Vater auf dem Acker am Stadtrand Na-
gasakis, mein eigener Vater wird; wenn die ausgebrannten Augäpfel der Hi-
roshimakinder meine eigenen Augäpfel und Kinder werden. Wenn ihr Leid
also mein eigenes Leiden wird, ihr Tod unser aller eigener Tod. Wenn ihre
ausgelöschten Stimmen und Sehnsüchte zu meinen, zu unseren eigenen
werden. Dann, aber wirklich nur dann, in der solidarisch-mitfühlenden
Gemeinschaft der Verwundbarkeit und Leiden aller Menschen als sei es
meine/unsere eigene – durch diese Herzensbildung und -bindung allein
können wir vielleicht noch gerettet werden. Sind wir dazu bereit?…
Dieses grundlegende Mitgefühl braucht dann aber auch eine Organisations-
form, gemeinsame Regeln, Gesetze, Verträge. Wir brauchen als Menschheit
Formen der „kollektiven Sicherheit“ miteinander aber nicht länger im Gegen-
einander! Alles, was wir Menschen im Atomzeitalter dazu schon aufgebaut
hatten, Abrüstungsverträge, die „Konferenz und Organisation für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa“ und die „Vereinten Nationen“ sind in den
letzten Jahrzehnten von den Großmächten, allen voran von den USA, syste-
matisch ausgehöhlt, übertreten und unterwandert worden! Und unsere deut-
schen Regierungen haben parteiübergreifend dabei zugesehen oder mitge-
macht.
Darum frage ich noch weiter und noch unbequemer: Sind wir alle noch zu
retten, wenn Regierende und Regierte mehrheitlich weder auf die Vernunft,
noch auf ihr Gewissen oder ihr Mitgefühl mit den Opfern ihrer/unsrer Gewalt
ansprechbar sind? Weil sie/wir im eigenen Angst-, Macht- und
Sicherheitsdenken gefangen sind, wie es zur Zeit gerade bei uns besonders zu
beobachten ist? Was können wir konkret tun, wenn Regierende und Regierte
sich partout nicht retten lassen können oder wollen? – Ich möchte am Ende
versuchen – es ist nur ein Versuch – sieben konkrete Dinge zu benennen, die
wir jetzt noch tun können:
1) Mit den Atombombenopfern im Herzen werden wir uns als
friedensbesorgte Bürgerinnen und Bürger zusammen mit den „Mayors
for Paece“ und allen Stadträten und Kommunen, die sie dazu gemacht
haben, überlegen, bundesweit überparteilichen und auch außer-
parlamentarischen Widerstand zu organisieren, gegen die neuerlichen
Atomträume der EU und Deutschlands.
2) Wir werden uns jeder Abschreckungsdoktrin – vom Stammtisch bis ins
Parlament- öffentlich widersetzen. Abschreckung ist bereits kriegeri-
sches Handeln, es zerstört alles vertrauensvolle Miteinander der Völker!
Das in der Diskussion immer wieder bemühte sogenannte
„Gleichgewicht des Schreckens“ ist ein politischer und militärischer
Irrweg. Schon jeder aktive Raucher beweist, dass Abschreckung durch
angedrohten Tod letztlich nicht wirkt!
3) Wir befreien uns von der politischen und militärischen Bevormundung
der USA und definieren unsere eigenen deutschen und europäischen
Sicherheitsinteressen. Wir haben eigene, die deutlich anders sein
können als die anderer Staaten! Dabei setzen wir nicht länger auf das
imperiale Ideal der „Unverwundbarkeit“,sondern auf die Empathie und
Solidarität verwundbarer Menschen weltweit. Wir brauchen keinen
atomaren Schutzschild, weder einen amerikanischen noch einen
eigenen europäischen wenn wir wieder auf Systeme der kollektiven
Sicherheit und Entspannung in Europa setzen, wie es bereits möglich
war durch Willy Brand, und darum auch wieder werden kann. Der
jetzige Anti-Russland-Reflex in fast allen unserer Parteien, ist
menschlich gewiss verständlich, aber dennoch grundfalsch! Sicherheit
in Europa gibt es nicht gegen, sondern nur mit Russland!
4) Wir wählen auf Bundesebene künftig nur noch die Parteien, die sich ak-
tiv einsetzten für die Ächtung und Vernichtung aller Atomwaffen welt-
weit und die dazu mit eigenen Schritten mutig vorangehen. Wir klagen
unsere jetzige Regierung dafür an, genau dies aus ihrem Koalitionsver-
trag gestrichen zu haben! Darin sehen wir eine Schande für unser Land,
für uns alle!
5) Wir werden ab heute als Wählerinnen und Wähler die Frage der atoma-
ren, aber auch der konventionellen Abrüstung über die Frage stellen,
welche Wahlversprechen und Steuergeschenke die Parteien uns sonst
noch machen. Wir haben erkannt, dass Atomwaffen prinzipiell keine
politische Option sind. Sie sind der Tod aller Politik, weil sie den Tod
allen Lebens bringen! Darum stellt allein Ihr Besitz seit dem IGH-Urteil
1996 einen klaren Völkerrechtsbruch dar. Atomwaffen sind Staatsterror
gegen die ganze Menschheit und haben in einer glaubwürdigen und
rechtstaatlichen Demokratie nichts zu suchen. Wer dennoch für
Atomwaffen eintritt, stellt sich als Person, als Partei oder Land
außerhalb der Völkerfamilie und des internationalen Rechtsfriedens.
6) Darum werden wir Regierung und Bundestag unablässig auffordern,
auch den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen von 2017
endlich auch im Namen aller Deutschen, im Namen von uns allen (!) zu
unterschreiben. So haben es bereits 95 Länder der Welt getan. Nur
unter dem Dach des gemeinsamen Völkerrechts als Friedenskraft
können sich neue, kollektive Sicherheitspartnerschaften auf unserer
Welt entwickeln!
7) Wir werden schließlich weiter gewaltfrei kämpfen gegen den
jahrzehntelangen Verfassungsbruch unserer Regierung im pfälzischen
Büchel. Dort üben deutsche Soldaten jeden Tag mit von uns bezahlten
Flugzeugen amerikanische Massenvernichtungswaffen mitten in
Europa einzusetzen! Wir lehnen diese Instrumentalisierung unseres
Landes ab! Wir rufen jeden deutschen Soldaten auf, unser Grundgesetz
zu lesen und zu achten, gegen das in Büchel verstoßen wird. Wir
erinnern jeden deutschen Soldaten an seine Verfassungs-Pflicht zum
Frieden, und an sein Dienst-Recht bei Verfassungsbruch von
Regierenden oder Dienstvorgesetzten den Befehl nicht nur verweigern
zu können, sondern zu müssen! Wir setzen als Verfassungsfreunde auf
ein nichtatomares, selbstbewusstes, demokratisches und
rechtstaatliches Deutschland und Europa, das dem gerechten Frieden
und allen Völkern der Welt dient, statt sie zu ängstigen, zu beherrschen
oder vernichten zu wollen!
Sind wir also noch zu retten? Ich denke: Ja! – Noch! Die Menschheit steht am
Scheideweg zwischen Sein und Nicht-mehr-Sein. Genau hier werden wir
wirklich Hoffende, hoffend „auf das, was noch nicht ist“ (vgl. Paulus,
Römerbrief 8,24). So wie die Demokraten litten und hofften als es noch keine
Demokratie gab. So hoffen und leiden wir für eine atomwaffenfreie Welt. Wir
können in diesem Kampf nicht verlieren, aber wir können den Kampf
verpassen. Doch die Menschen von Hiroshima und Nagasaki, gestern, heute
und morgen, die rühren heute unsere Herzen an und schärfen für morgen
unsere Gewissen. Ihre Leiden stärken unser Mitgefühl. Ihre unerfüllten
Sehnsüchte werden zu unserer Kraft. Wir sind vielleicht nicht die Mehrheit,
aber wir werden weltweit immer mehr! Und wir sind mehr als hartnäckig in
unserem Weichsein, in unserer unerschütterlichen Verwundbarkeit,
Empathie und Menschenfreundlichkeit, selbst wenn es uns dabei selber an
den Kragen gehen sollte. Wir knicken nicht ein! Noch ist Zeit zur Rettung!
Vielleicht erweisen wir uns gerade heute doch noch des Namens würdig, den
wir uns selber einmal gegeben haben: „homo sapiens sapiens“, der mit
doppelter Weisheit begabte Mensch, begabt mit Empathie und Vernunft,
aber nur in dieser Reihenfolge!
Ich danke herzlich für Ihre und Eure Aufmerksamkeit!
retten? – Ich frage ernsthaft, uns alle! Was heute
genau vor genau 80 Jahren mit Hidehiko, Katsutoshi und Masaok sowie Hun-
derttausenden anderen Menschenkindern in Hiroshima geschah, haben wir
soeben gehört. Das Grauen entzieht sich dennoch meinem Fassungsvermö-
gen, ihr Leid übersteigt mein Mitleid. Hilflos blicken wir auf das, was Men-
schen Menschen antun können und angetan haben. Es war kein Schurken-
staat, sondern die „größte Demokratie der Welt“, die ihre Atombombe
zumeist auf unschuldige Zivilisten warf! Seien „wir Demokraten“ darum
besonders gewiss: die Opfer unterscheiden nicht zwischen einer guten und
einer bösen Atombombe. Für sie waren und sind sie allesamt aus der Hölle!
Und die sie zündeten, ebenso!
Die beiden Bomben wurden auch nicht aus militärischer Notwendigkeit ge-
zündet, wie bis heute noch behauptet wird. Sie waren ein militärisches und
medizinisches Groß-Experiment, Menschen als Versuchskaninchen – und
sollten besonders Russland, damals Partner der USA im Pazifikkrieg gegen
Japan, die amerikanische Dominanz als führende Weltmacht auch für die
Nachkriegszeit unmissverständlich vor Augen führen. US-Präsident Truman
schreibt schon Mitte Juli 1945 in sein Tagebuch: „Ich glaube, dass die Japsen
(mit dem Bombeneinsatz, d. Verf.) klein beigeben werden, ehe Russland ein-
2
greift!“(vgl.https://de.wikipedia.org/wiki/Atombombenabw%C3%BCrfe_auf
_Hiroshima_und_Nagasaki). Ganze Völker können wir Menschen mit einem
Wort entmenschlichen („Japsen“)! Und mit Massenmord können wir den
ersten Platz in der Welt unter Beweis stellen wollen! Und heute? Heute
verfügen die Atommächte weltweit über unvorstellbare 12000 Atombomben!
Jede einzelne davon mit der hundertfachen Zerstörungskraft von damals.
Darüber hinaus haben wir weltweit über 1200 stationierte Atomraketen mit
lenkbaren Mehrfachsprengköpfen, die auch in dieser Stunde jetzt in
Alarmbereitschaft stehen, jederzeit startklar zum Abschuss auf uns Menschen
in aller Welt. Alle Atommächte stellen die Menschheit und alles andere Leben
auf diesem Planeten in jedem Augenblick unter ihre tödliche Geiselhaft.
Solange wir Menschen dazu weiter untätig schweigen, und der eigene Garten,
das eigene Haus und Auto und eine zweifelhafte Ruhe im Land wichtiger sind
als der Fortbestand der Erde und Menschheit, werden wir gewiss nicht mehr
zu retten sein…
Ein Atomkrieg ist keine Frage mehr des Ob, sondern nur noch des Wann. Die
Welt stand seit 1945 schon mehrfach sekundennah am atomaren Abgrund.
Die Hoffnung mancher, es werde „schon irgendwie gut gehen“, ist naiv und
gefährlich. Sie verdrängt nur, was totsicher eines Tages geschehen wird.
Werden wir endlich erwachsen! „Was der Mensch sät, wird er auch ernten.“ (
Paulus, Galatherbrief 6,7) Was wir in die Hand nehmen, werden wir eines
letzten Tages auch gebrauchen. Wenn nicht aus Machtgier, dann aus
gekränkter Eitelkeit, aus rachsüchtiger Vergeltung oder schlicht als dummer
Unfall – aus Versehen…
Dieses Damoklesschwert über uns erzeugt zusammen mit den anderen
3
selbstgemachten Krisen unserer Zeit und Kultur eine wachsende End-
zeitstimmung unter vielen Menschen! Und trostlose Flucht in die private
Verbunkerung… Wo Regierungen lieber den kollektiven Tod organisieren statt
gleiches Recht und Leben für alle zu gestalten, zerbricht das Grundvertrauen
ins Leben als Zusammenhalt einer jeden Gesellschaft, als Zusammenhalt der
Menschheit. Diese Auflösungsprozesse sind heute besonders in allen
westlichen Gesellschaften mit Händen zu greifen. Atomwaffen töten also
schon lange bevor sie eingesetzt werden!
Und der nun schon über dreijährige Stellvertreterkrieg von Russland und den
USA auf Kosten des ukrainischen Volkes, bedroht unsere Sicherheit und
verschärft unsere Lage noch einmal! Der ehemalige EU-Kommissar Günther
Verheugen warnt in seinem neuen Buch „Der lange Weg zum Krieg“ schon
seit 2024, dass die erklärte Absicht der USA, Russland durch einen möglichst
langen Krieg in der Ukraine auszuzehren „bis es komplett am Boden liegt“, der
von uns selbst, also vom Westen erzeugte einzige Anlass in Russlands eigener
Nuklearstrategie sei, der dem russischen Präsidenten erlaube, zur
Atombombe zu greifen. (ebd. S. 38). Je länger also der Krieg die Diplomatie
bei uns ersetzt, desto dramatischer steigt in diesen Tagen und Wochen die
Gefahr eines atomaren Schlagabtausches bis zur Einäscherung alles Lebendi-
gen auf diesem einzigartigen wunderbaren blauen Planeten! Aus dem allen
heraus frage ich mit ernst: Sind wir noch zu retten?
Die bisherige Geschichte seit Hiroshima zeigt mir: Wir haben nicht wirklich
aus der Geschichte gelernt. Warum aber haben wir nichts gelernt? – Im Bio-
logiebuch der Schule habe ich damals gelernt, dass alle Tiere eine angeborene
Tötungshemmung haben. Sie können in Ausnahmefällen wohl ihresgleichen
4
töten, wie z.B Schimpansen es tun, mii denen wir genetisch fast identisch sind.
Aber sie können nicht industriell vorbereiten, ihre eigne Art radikal zu
vernichten. Das können nur wir Menschen. Wir sind der Natur enthoben und
damit „fürchterlich frei“! – Was kann uns dann noch retten?
Ich bin nun 63 Jahre alt und lebe solange als fürchterlich freier Mensch unter
anderen fürchterlich freien Menschen auf dieser Erde. Und ich habe persön-
lich nur eine Antwort auf diese Frage gefunden: Wir werden vielleicht dann
noch vor uns selbst und einem Ascheplaneten bewahrt, wenn die am Küchen-
tisch im Atomblitz einfach verdampfte japanische Großmutter meine eigene
Großmutter wird; wenn der verkohlte Vater auf dem Acker am Stadtrand Na-
gasakis, mein eigener Vater wird; wenn die ausgebrannten Augäpfel der Hi-
roshimakinder meine eigenen Augäpfel und Kinder werden. Wenn ihr Leid
also mein eigenes Leiden wird, ihr Tod unser aller eigener Tod. Wenn ihre
ausgelöschten Stimmen und Sehnsüchte zu meinen, zu unseren eigenen
werden. Dann, aber wirklich nur dann, in der solidarisch-mitfühlenden
Gemeinschaft der Verwundbarkeit und Leiden aller Menschen als sei es
meine/unsere eigene – durch diese Herzensbildung und -bindung allein
können wir vielleicht noch gerettet werden. Sind wir dazu bereit?…
Dieses grundlegende Mitgefühl braucht dann aber auch eine Organisations-
form, gemeinsame Regeln, Gesetze, Verträge. Wir brauchen als Menschheit
Formen der „kollektiven Sicherheit“ miteinander aber nicht länger im Gegen-
einander! Alles, was wir Menschen im Atomzeitalter dazu schon aufgebaut
hatten, Abrüstungsverträge, die „Konferenz und Organisation für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa“ und die „Vereinten Nationen“ sind in den
letzten Jahrzehnten von den Großmächten, allen voran von den USA, syste-
5
matisch ausgehöhlt, übertreten und unterwandert worden! Und unsere deut-
schen Regierungen haben parteiübergreifend dabei zugesehen oder mitge-
macht.
Darum frage ich noch weiter und noch unbequemer: Sind wir alle noch zu
retten, wenn Regierende und Regierte mehrheitlich weder auf die Vernunft,
noch auf ihr Gewissen oder ihr Mitgefühl mit den Opfern ihrer/unsrer Gewalt
ansprechbar sind? Weil sie/wir im eigenen Angst-, Macht- und
Sicherheitsdenken gefangen sind, wie es zur Zeit gerade bei uns besonders zu
beobachten ist? Was können wir konkret tun, wenn Regierende und Regierte
sich partout nicht retten lassen können oder wollen? – Ich möchte am Ende
versuchen – es ist nur ein Versuch – sieben konkrete Dinge zu benennen, die
wir jetzt noch tun können:
1) Mit den Atombombenopfern im Herzen werden wir uns als
friedensbesorgte Bürgerinnen und Bürger zusammen mit den „Mayors
for Paece“ und allen Stadträten und Kommunen, die sie dazu gemacht
haben, überlegen, bundesweit überparteilichen und auch außer-
parlamentarischen Widerstand zu organisieren, gegen die neuerlichen
Atomträume der EU und Deutschlands.
2) Wir werden uns jeder Abschreckungsdoktrin – vom Stammtisch bis ins
Parlament- öffentlich widersetzen. Abschreckung ist bereits kriegeri-
sches Handeln, es zerstört alles vertrauensvolle Miteinander der Völker!
Das in der Diskussion immer wieder bemühte sogenannte
„Gleichgewicht des Schreckens“ ist ein politischer und militärischer
Irrweg. Schon jeder aktive Raucher beweist, dass Abschreckung durch
angedrohten Tod letztlich nicht wirkt!
6
3) Wir befreien uns von der politischen und militärischen Bevormundung
der USA und definieren unsere eigenen deutschen und europäischen
Sicherheitsinteressen. Wir haben eigene, die deutlich anders sein
können als die anderer Staaten! Dabei setzen wir nicht länger auf das
imperiale Ideal der „Unverwundbarkeit“,sondern auf die Empathie und
Solidarität verwundbarer Menschen weltweit. Wir brauchen keinen
atomaren Schutzschild, weder einen amerikanischen noch einen
eigenen europäischen wenn wir wieder auf Systeme der kollektiven
Sicherheit und Entspannung in Europa setzen, wie es bereits möglich
war durch Willy Brand, und darum auch wieder werden kann. Der
jetzige Anti-Russland-Reflex in fast allen unserer Parteien, ist
menschlich gewiss verständlich, aber dennoch grundfalsch! Sicherheit
in Europa gibt es nicht gegen, sondern nur mit Russland!
4) Wir wählen auf Bundesebene künftig nur noch die Parteien, die sich ak-
tiv einsetzten für die Ächtung und Vernichtung aller Atomwaffen welt-
weit und die dazu mit eigenen Schritten mutig vorangehen. Wir klagen
unsere jetzige Regierung dafür an, genau dies aus ihrem Koalitionsver-
trag gestrichen zu haben! Darin sehen wir eine Schande für unser Land,
für uns alle!
5) Wir werden ab heute als Wählerinnen und Wähler die Frage der atoma-
ren, aber auch der konventionellen Abrüstung über die Frage stellen,
welche Wahlversprechen und Steuergeschenke die Parteien uns sonst
noch machen. Wir haben erkannt, dass Atomwaffen prinzipiell keine
politische Option sind. Sie sind der Tod aller Politik, weil sie den Tod
allen Lebens bringen! Darum stellt allein Ihr Besitz seit dem IGH-Urteil
1996 einen klaren Völkerrechtsbruch dar. Atomwaffen sind Staatsterror
7
gegen die ganze Menschheit und haben in einer glaubwürdigen und
rechtstaatlichen Demokratie nichts zu suchen. Wer dennoch für
Atomwaffen eintritt, stellt sich als Person, als Partei oder Land
außerhalb der Völkerfamilie und des internationalen Rechtsfriedens.
6) Darum werden wir Regierung und Bundestag unablässig auffordern,
auch den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen von 2017
endlich auch im Namen aller Deutschen, im Namen von uns allen (!) zu
unterschreiben. So haben es bereits 95 Länder der Welt getan. Nur
unter dem Dach des gemeinsamen Völkerrechts als Friedenskraft
können sich neue, kollektive Sicherheitspartnerschaften auf unserer
Welt entwickeln!
7) Wir werden schließlich weiter gewaltfrei kämpfen gegen den
jahrzehntelangen Verfassungsbruch unserer Regierung im pfälzischen
Büchel. Dort üben deutsche Soldaten jeden Tag mit von uns bezahlten
Flugzeugen amerikanische Massenvernichtungswaffen mitten in
Europa einzusetzen! Wir lehnen diese Instrumentalisierung unseres
Landes ab! Wir rufen jeden deutschen Soldaten auf, unser Grundgesetz
zu lesen und zu achten, gegen das in Büchel verstoßen wird. Wir
erinnern jeden deutschen Soldaten an seine Verfassungs-Pflicht zum
Frieden, und an sein Dienst-Recht bei Verfassungsbruch von
Regierenden oder Dienstvorgesetzten den Befehl nicht nur verweigern
zu können, sondern zu müssen! Wir setzen als Verfassungsfreunde auf
ein nichtatomares, selbstbewusstes, demokratisches und
rechtstaatliches Deutschland und Europa, das dem gerechten Frieden
und allen Völkern der Welt dient, statt sie zu ängstigen, zu beherrschen
oder vernichten zu wollen!
8
Sind wir also noch zu retten? Ich denke: Ja! – Noch! Die Menschheit steht am
Scheideweg zwischen Sein und Nicht-mehr-Sein. Genau hier werden wir
wirklich Hoffende, hoffend „auf das, was noch nicht ist“ (vgl. Paulus,
Römerbrief 8,24). So wie die Demokraten litten und hofften als es noch keine
Demokratie gab. So hoffen und leiden wir für eine atomwaffenfreie Welt. Wir
können in diesem Kampf nicht verlieren, aber wir können den Kampf
verpassen. Doch die Menschen von Hiroshima und Nagasaki, gestern, heute
und morgen, die rühren heute unsere Herzen an und schärfen für morgen
unsere Gewissen. Ihre Leiden stärken unser Mitgefühl. Ihre unerfüllten
Sehnsüchte werden zu unserer Kraft. Wir sind vielleicht nicht die Mehrheit,
aber wir werden weltweit immer mehr! Und wir sind mehr als hartnäckig in
unserem Weichsein, in unserer unerschütterlichen Verwundbarkeit,
Empathie und Menschenfreundlichkeit, selbst wenn es uns dabei selber an
den Kragen gehen sollte. Wir knicken nicht ein! Noch ist Zeit zur Rettung!
Vielleicht erweisen wir uns gerade heute doch noch des Namens würdig, den
wir uns selber einmal gegeben haben: „homo sapiens sapiens“, der mit
doppelter Weisheit begabte Mensch, begabt mit Empathie und Vernunft,
aber nur in dieser Reihenfolge!
Ich danke herzlich für Ihre und Eure Aufmerksamkeit!
Bert Gedenk

